Wie bereits versprochen lassen wir mal eine unserer Reisestories vom Stappel. Die folgende ist echt ein bisschen verrueckt, wenn ich so im Nachhinein drueber nachdenke (und ziemlich lang wie nach dem Schreiben festelle).
Als wir im Maerz in Shepparton Arbeit gefunden haben, wurde uns OnGoing-Work bis Ende Mai versprochen. Wir dachten uns, perfekt, besser gehts nicht. Danach koennen wir ohne Geldprobleme den letzten Teil der Reise machen. Also zogen wir in ein Arbeitshostel, welches uns die ganzen Jobs vermitteln sollte. Arbeitsmoeglichkeiten gab es auf der Wallnussfarm des Hostelbesitzers (Nilo) und auf den Aepfelfarmen seines Bruders (Kent) und seines Vaters. Fuer das Hostel bezahlten wir woechentlich 130 Dollar, wobei es sich eher um ein paar Zimmer mit Betten, eine improvisierten Kueche und ein Bad ohne Klopapier handelte. Es haben mit uns 12 Leute dort gewohnt und die erste Ueberraschung gab es direkt nach unserer Ankunft. Drei der Leute die auch dort arbeiteten (zwei aus Chile, eine aus Irland) haben auch schon in Griffith mit uns im Hostel gewohnt. Tom hat mit dem einen Chile-Guy ein paar Runden Tischtennis gespielt. Australien ist halt klein, wenn es um Work and Travel geht.
Gleichzeitig mit uns sind auch noch zwei andere Deutsche angekommen. Felix aus Hamburg und Chris aus Berlin. Wir vier bilden irgendwie automatisch eine Arbeitsgruppe und duerfen in den ersten Tagen fuer 11 Dollar die Stunde Unkraut jaehten. Nach drei Tagen faengt dann endlich die richtige Arbeit an und wir schnippeln fuer 18 Dollar die Stunde auf der Farm von Kent an Apfelbaeumen herum. Somit pendelt es sich ein, dass wir fuenf Tage die Woche fuer Kent arbeiten und Samstags fuer Nilo. Fuer die Sonntage haben wir uns ueberlegt, dass wir doch eigentlich Fischen gehen koennen und gleich beim ersten Mal fangen wir drei Fische. Die wurden am Abend dann natuerlich stolz praesentiert und schoen praepariert auf den BBQ gehauen.
Doch je laenger wir dort sind, destso mehr erfahren wir ueber die Geschichte des Hostels. Ungefaehr zwei Wochen bevor wir dort angekommen sind, wurden acht Leute ueberfahren, einer ist klinisch tot, drei haben schwere Verletzungen erlitten und die restlichen vier sind mit leichten Verletzungen und einem Schock davongekommen. Jedenfalls erfahren wir so nach und nach, dass die Leute hier im Hostel gewohnt haben und frueh morgens zur Arbeit gelaufen sind. Auf einer Strasse auf der man als Autofahrer frueh am Morgen so gut wie nichts sehen kann (wegen der Sonne). Doch diese Tatsache scheint den Hostelbesitzer nicht zu stoeren und brettert mit seinem Minibus jeden Morgen mit 100 Sachen genau auf dieser Strasse zur Arbeit. Uns wurde nun erzaehlt, dass er die Leute ueberfahren haette. Der eine Backpacker, der klinisch tot ist, war erst eine Woche in Australien und hat hier in Shepparton seinen ersten Job bekommen. Des weiteren erfuhren wir, dass scheinbar keiner der acht Leute irgendwelche Anstalten gemacht hat, Nilo zumindestens auf Schmerzensgeld zu verklagen. Doch damit nicht genug. Der Hostelbesitzer nimmt sich sogar die Dreistigkeit heraus von den restlichen vier Leuten, die nicht im Krankenhaus liegen, aber auch nicht arbeiten koennen noch die volle Miete fuer das Hostel zu verlangen. Ich glaube mit diesem Hintergrund versteht jeder, dass unsere Sympathie fuer diese Person sich stetig verringerte. Wir wissen nicht, wieviel von der Story wahr ist, aber man kann sich so etwas ja nicht vollkommen aus den Fingern saugen.
Nach knapp drei Wochen erfahren wir von Nilo, dass es in den naechsten zwei bis drei Wochen wohl keine Arbeit geben wuerde, aber danach bestimmt wieder. Und er fragt uns, ob wir denn trotzdem bleiben wuerden. Hallo? Klar, wir bleiben in einem Hostel, welches total abgefuckt ist, in einem Ort wo es nichts gibt und bezahlen dafuer auch noch 130 Dollar die Woche. Das Dreisteste war, dass er uns zwei Tage vorher noch gesagt hatte, dass noch genug Arbeit fuer zwei weitere Leute da waere (wir haben wegen Tom und Alyson gefragt). Also wird folgender Plan geschmiedet und ausgefuehrt:
Da die Frau des Hostelbesitzers, die fuer die Miete zustaendig ist, guenstigerweise viel trinkt und raucht, vergisst sie regelmaessig die Miete einzuholen. Chris, Hannes und ich haben also erst fuer zwei Wochen bezahlt, obwohl wir schon knapp drei Wochen da sind. Die Idee ist also die Zahlung der Miete solange zurueckzuhalten, bis wir am Freitag unser Gehalt von Nino und am Samstag unser Gehalt von Kent bekommen. Am Donnerstagabend fragt Fatima nach der Miete, wir ignorieren sie. Am Freitag bekommen wir unser Gehalt von Nino und ignorieren wieder Fatimas Bitte nach der Miete. Sie vergisst weiter nachzufragen, weil sie wieder im Hinterhof sitzt und mit den anderen trinkt. In der Nacht packen wir unser Auto und ich stehe extra frueh auf, um noch die restlichen Eier und Milch zu Pancakes zu verarbeiten. Samstag frueh gehen wir auf Kents Farm und pfluecken Aepfel. Nach Arbeitsschluss bekommen wir ungluecklicherweise nur einen Scheck, den wir gegen Cash bei der Mutter einloesen konnen. Also fahren wir zurueck zum Hostel, schnappen schnell den restlichen Kram der noch im Hostel liegt, rennen zum Auto (Chris hat ein eigenes) und rasen davon. Es wird nur noch kurz der Scheck bei der Mutter eingeloest, die zum Glueck noch nichts weiss. Auf dem Weg zu einem nahegelegenem See, wo wir unseren Triumph feiern wollen geht auf einmal Chris’s Auto nicht mehr an. Nachdem einige Leute angehalten haben, stellt sich heraus, dass der Starter kaputt ist. Und leider ist es schon zu spaet, um zu dem 2km entfernen Mechaniker zu gehen. Zeitgleich ruft Felix an und erzaehlt uns, dass Nilo und Fatima die Polizei gerufen haben. Und wir waren nur 15km entfernt und koennen uns nicht vom Fleck bewegen.
Das Auto konnte also auf keinen Fall die Nacht ueber an der Strasse stehen bleiben. Die Gefahr von der Polizei aufgegabelt zu werden war einfach zu gross. Also gingen wir zu den Leuten, vor dessen Grundstueck Chris sein Auto stehen geblieben ist und fragten, ob es in Ordnung sei das Auto ueber Nacht auf ihr grosses Stueck Land zu stellen. Die hatten damit ueberhaupt kein Problem und da sie so nett wirkten versuchten wir unser Glueck und fragten, ob wir den Van nicht auch bei ihnen hinstellen koennen, um dort zu uebernachten. Somit kam es, dass wir einen sehr sueffigen und gespraechigen Abend mit drei Australiern verbrachten, die ihren Lebensunterhalt damit verdienen, auf Maerkten Floeten-Packs und anderen Kram zu verkaufen. Und zum Dank, dass wir dort uebernachten durften, haben wir ein paar hundert dieser Floeten-Packs fuer sie zusammengepackt (Floetenkram in Tuete, Tuete zutackern, fertig). Am naechsten Morgen sind wir dann zum Mechaniker, der das Auto in zwei Tagen fertig machen koennte. Somit beschlossen wir die entstandenen freien Tage als Angelurlaub an einem See 5km entfernt zu verbringen. Wir haben also noch schnell unseren Spion Felix aus dem Hostel abgeholt, der Nino erzaehlt hat, dass ein Freund aus Sydney ihn abholen wuerde und sind dann zum Campingplatz. Dort verbrachten wir drei schoene Angeltage, bevor es dann mit den beiden Autos Richtung Adelaide ging.
Und der Kicker kommt jetzt.
Hannes und ich kommen in Darwin an und besuchen den Sunset-Market am Mindill Beach. Eine Touristische Attraktion. Wir laufen so ueber den Markt und auf einmal hoeren wir diesen typischen Floetenton der Floeten, die wir zusammengepackt haben. Wir drehen uns um und auf einmal steht dort genau die Typen, bei denen wir 3200km entfernt von Darwin im Maerz uebernachtet haben. Die haben uns zuerst gar nicht erkannt, aber waren dann genauso geschickt wie wir. Australien ist wie schon gesagt klein, aber so klein? Das war echt ganz schoen verrueckt.
Ende der Geschichte ist, dass wir ein paar Tage fuer sie auf dem Markt arbeiten konnten, bevor wir nach Cairns aufgebrochen sind.
Dienstag, 19. Mai 2009
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1 Kommentar:
Das ja lustig, wen man nicht alles wieder sieht.^^
Hier das Selbe 3 Deutsche Männer getroffen, welche 3 Wochen Urlaub machen im Zug nach Chiang Mai und dann 2 Tage später dort auf der Wanderung zum Wasserfall kamen sie uns entgegen. Vor 2 Tagen im Taxi mit einem Schweden und einer Thailänderin gewesen gerade heute vor 3h auf dem Markt getroffen.^^
Aber ziemlich interessante Stories. Achja vergesst nicht am 7.6. ist Wahl bei uns, könnt ja Briefwahl machen lassen über die Eltern.
Wollte keine 3 Nachrichten an euch schicken und hier lest ihr die Info.^^
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